Skoliose
Idiopathische Skoliosen bilden sich im Kindes- und Jugendalter. Dabei handelt es sich nicht nur um eine einfache seitliche Verkrümmung, sondern um eine komplexe dreidimensionale Fehlstellung der Wirbelsäule mit Verformung einzelner Wirbelkörper.
Was ist eine Skoliose?
Eine Skoliose ist eine Verformung der Wirbelsäule, die sich in drei Ebenen zeigt. Jede Ebene ist unterschiedlich stark betroffen.
- Seitneigung rechts/links
Von Hinten her betrachtet weicht die Wirbelsäule zur Seite aus. Eine Schulter kann höher sein als die andere oder die Taillendreiecke sind asymmetrisch. Die Seitneigung ist im Röntgen gut sichtbar und wird als Kobb-Winkel gemessen.
- Drehung rechts/links
Von Oben her betrachtet sind die Wirbelkörper zu einer Seite hin gedreht. Dies ist im Adams-Test sichtbar als Rippen- oder Lendenberg und messbar mit dem Skoliometer. Auch auf dem Röntgenbild ist die Drehung der Wirbelkörper sicht- und messbar.
- Streckung/Beugung
Von der Seite her betrachtet werden die natürlichen Schwingungen der Wirbelsäule verändert. Bei idiopathischen Skoliosen ist ein Flachrücken typisch.
(Quelle: SOSORT 2016)
Was ist eine idiopathische Skoliose?
Es gibt primäre (=idiopathische) Skoliosen und sekundäre Skoliosen .
Bei einer idiopathischen Skoliose ist die Ursache unbekannt. Dies betrifft 80% der Skoliosen. Die idiopathischen Skoliosen bilden sich im Wachstum und betreffen scheinbar gesunde Kinder und Jugendliche. Trotz vieler Forschung wird „nur“ vermutet, dass die Ursache multifaktoriell ist (genetische Komponente ist ersichtlich, hormonelle scheint vorhanden da mehr Frauen betroffen sind, …).
Eine sekundäre Skoliose entsteht als Folge von etwas anderem, zb. aufgrund einer neurologischen Krankheit oder im Alter aufgrund von starker Abnutzung. Mischformen sind möglich.
(Quelle: SOSORT 2016)
Wie wird eine Skoliose behandelt?
Die Behandlung einer Skoliose hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Ausmass der Krümmung, die Lokalisation, die Anzahl der Krümmungen und das verbleibende Wachstumspotenzial. Die Therapie kann folgende Massnahmen umfassen:
Beobachten
Die Wirbelsäule wird in regelmässigen Abständen kontrolliert um Veränderungen zu erkennen. Falls sich die Krümmung verstärkt, können rechtzeitig weitere Behandlungsschritte folgen – zum Beispiel spezialisierte Physiotherapie oder ein Korsett.
Besonders bei Kindern mit einer leichten Skoliose, die weder Physiotherapie noch Korsett haben, sind die regelmässigen Kontrollen innerhalb von Monaten nötig und wichtig – denn solange die Wirbelsäule im Wachstum ist gibt es ein Risiko für die Verschlechterung.
Physiotherapie
Die Skoliosetherapie ist ein Spezialgebiet innerhalb der Physiotherapie. Die spezifischen Kompetenzen werden durch Weiterbildungen erworben und sind nicht Bestandteil der Grundausbildung.
Die Schroth-Therapie ist die bekannteste physiotherapeutische Methode im deutschsprachigen Raum. Sie basiert auf spezifischen Atem- und Haltungsübungen zur dreidimensionalen Korrektur der Wirbelsäule. Immer bekannter wird das evidenzbasierte SEAS Konzept, das gezielt auf aktive Selbstkorrektur und funktionelle Übungen im Alltag setzt. Andere Methoden wie GYROTONIC® oder Spiraldynamik enthalten ebenfalls gezielte Übungen zur dreidimensionalen Korrektur.
Korsetttherapie
Bei moderaten Krümmungen (meist zwischen 20 und 45 Grad Cobb-Winkel) hilft ein individuell angepasstes Korsett, das Fortschreiten der Skoliose während des Wachstums zu verlangsamen oder zu verhindern. Im besten Fall können die Krümmungen reduziert werden. Die Wirksamkeit der Korsetttherapie hängt massgeblich von der täglichen Tragedauer (empfohlen werden normalerweise 23h/Tag) und dem Wirbelsäulenwachstum ab. Das Korsett wirkt wachstumslenkend.
Operation
Bei schweren Skoliosen (über 40-45 Grad) oder bei fortschreitenden Verkrümmungen trotz konservativer Massnahmen wird eine operative Korrektur empfohlen.
Weitere Informationen
Unabhängig von der Therapieform ist es wichtig, das eigene Skoliosemuster zu verstehen und im Alltag sowie beim Sport bewusst auf eine korrekte Haltung zu achten. Sport und spezielle Übungen helfen, die Rumpfstabilität und Muskelbalance zu fördern – was die Korrektur erleichtert.
Die Wahl der Therapie erfolgt immer individuell und sollte in enger Absprache mit Fachärzten und spezialisierten Therapeuten getroffen werden.
In der internationalen Leitlinie der Society on Scoliosis Orthopaedic and Rehabilitation Treatment, kurz SOSORT 2016 finden Sie noch mehr Hintergrundwissen und Empfehlungen zur Therapie von Skoliosen.
Skoliosetherapie nach Katharina Schroth®
Katharina Schroth (1894–1985) war eine deutsche Handelsschullehrerin und hatte selbst eine Skoliose. Sie war unzufrieden mit den damalig vorhandenen Behandlungsmethoden und entwickelte deshalb im Jahr 1920 ihre eigene Therapie.
Ihre Methode, die dreidimensionale Skoliosetherapie nach Katharina Schroth®, basiert auf spezifischen Atemtechniken und gezielten asymmetrischen Übungen. Mit den Übungen wird eine bestmögliche Korrektur der Wirbelsäulen-, Rippen und Beckenfehlstellungen in allen drei Ebenen erreicht.
Katharina Schroth hat den Körper in vier Blöcke eingeteilt. Ohne Skoliose sind die Blöcke symmetrisch und in der Mitte. Bei Skoliosen verschieben sich die Blöcke nach rechts oder links und verformen sich. Jede Skoliose bekommt einen Namen anhand der Verschiebung der Blöcke. Ein primär thorakaler Bogen (T) nach rechts mit ausgleichenden Bögen (S und L) nach links heisst nach Schroth „Tre LSli“. Das + symbolisiert die Mehrbelastung auf diesem Bein.

Die Schroth-Therapie folgt einem einfachen Prinzip: Durch gezielte Übungen werden die Körperblöcke soweit wie möglich (=bis zur strukturellen Grenze) zurück zur Mitte geführt und dort mit Muskelkraft gehalten.
Die Schroth-Therapie wird bis heute weiterentwickelt, ist weltweit anerkannt und wird erfolgreich bei der konservativen Behandlung von Skoliosen eingesetzt.
Skoliosetherapie nach ISICO - was ist SEAS?
Behandlungsziele für SOSORT
Die SOSORT hat vier Ziele definiert:
- Die Ästhetik durch Haltungsverbesserung optimieren
- Das Fortschreiten der Krümmung in der Pubertät verlangsamen, stoppen (oder möglicherweise reduzieren)
- Atemfunktionsstörungen verhindern oder behandeln
- Wirbelsäulenbedingte Schmerzsyndrome verhindern oder behandeln
(Quelle: SOSORT 2016)
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